Aṅguttara Nikāya

Das Dreier-Buch

53–54. Die sichtbare Lehre I II

Es begab sich da ein gewisser Brahmane dorthin, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt, wechselte er höflichen Gruß mit dem Erhabenen, und nach Austausch freundlicher und zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend sprach jener Brahmane zum Erhabenen also:

„Von der sichtbaren Lehre spricht man, Herr Gotama. Inwiefern nun aber, Herr Gotama, ist die Lehre klar sichtbar, unmittelbar wirksam, einladend, zum Ziele führend, den Verständigen, jedem für sich, verständlich?“

„Aus Gier, Brahmane, von der Gier übermannt, umstrickten Geistes, trachtet man nach seinem eigenen Schaden, trachtet man nach anderer Schaden, trachtet man nach beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Kummer. Ist aber die Gier aufgehoben, so trachtet man weder nach seinem eigenen Schaden, noch nach anderer Schaden, noch nach beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und Kummer.“

(Zusatz in 54:) Aus Gier, Brahmane, von der Gier übermannt, umstrickten Geistes führt man einen schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken; und nicht kennt man wirklichkeitsgemäß das eigene Heil, noch das Heil anderer, noch das beiderseitige Heil. Ist aber die Gier aufgehoben, so führt man weder in Werken, Worten, noch Gedanken einen schlechten Wandel, und man kennt wirklichkeitsgemäß das eigene Heil, das Heil anderer und das beiderseitige Heil.

(53–54:) Derart, Brahmane, ist die Lehre klar sichtbar, unmittelbar wirksam, einladend, zum Ziele führend, dem Verständigen, jedem für sich, verständlich.

Aus Haß, Brahmane, vom Hasse übermannt—aus Verblendung, Brahmane, von der Verblendung übermannt, umstrickten Geistes, trachtet man nach eigenem Schaden, trachtet man nach anderer Schaden, trachtet man nach beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Kummer. Ist aber der Haß aufgehoben—ist die Verblendung aufgehoben, so trachtet man weder nach eigenem Schaden, noch nach anderer Schaden, noch nach beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und Kummer.

(Zusatz in 54:) Aus Haß, Brahmane, vom Hasse übermannt—aus Verblendung, Brahmane, von der Verblendung übermannt, umstrickten Geistes, führt man einen schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, und nicht kennt man wirklichkeitsgemäß das eigene Heil, noch das Heil anderer, noch das beiderseitige Heil. Ist aber der Haß aufgehoben—ist die Verblendung aufgehoben, so führt man weder in Werken, Worten, noch Gedanken einen schlechten Wandel, und man kennt wirklichkeitsgemäß das eigene Heil, das Heil anderer und das beiderseitige Heil.

(53–54:) Derart, Brahmane, ist die Lehre klar sichtbar, unmittelbar wirksam, einladend, zum Ziele führend, den Verständigen, jedem für sich, verständlich.“

„Vortrefflich, Herr Gotama! Vortrefflich, Herr Gotama! Gleichwie man, Herr Gotama, das Umgestürzte wieder aufrichten oder das Verborgene enthüllen oder den Verirrten den Weg weisen oder in die Finsternis ein Licht bringen möchte, damit, wer Augen hat, die Gegenstände sehe: ebenso hat der Herr Gotama auf mancherlei Weise die Lehre enthüllt. So nehme ich meine Zuflucht zum Herrn Gotama, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde. Als Anhänger möge mich der Herr Gotama betrachten, als einen, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.“

In Text 54 ist der Fragende „ein gewisser brahmanischer Wanderasket“.